Nein, dank Gottes Hilfe

Wie soll man etwas bezeichnen, das Menschen auseinander treibt, sie gegeneinander aufhetzt und selbst vor Liebenden nicht halt zu machen scheint:
Religion.
Ein Vorfall in jüngster Zeit macht mich richtig sauer: Zwei Menschen, die sich lieben, können aufgrund ihrer Religion nicht zusammenfinden.
Ein Indiz für Gott? Oder eher für seine Abwesenheit?
Wie kann ein Geschöpf ein Prinzip oder gar ein weißer Bart am Himmel es zulassen, dass seine Botschaft die Menschheit entzweit.
Was sind es für Familien, die in konservativ geschnürten Glaubenskorsetts ihren Kindern die freie Wahl verbauen, ihr Leben zu leben.
And no religion too“, singt John Lennon, und ich bin gewillt ihm Recht zu geben. Mag sie den Menschen auch Halt geben, so scheint ihr Preis doch ein Großer zu sein: Klassen! Eine gespaltene Gesellschaft, ein Kampf der Konfessionen.
Wenn doch vor Gott alle gleich sind, warum dann auch nicht hier auf Erden?
Wenn selbst die Liebe, als höchstes Gut und höchste Kraft angesichts eines konservativen Gottesglaubens versagt, was kann dann noch helfen?
Wieder einmal sehne ich ein aufklärendes Licht herbei, dass uns vom göttlichen Konkurrenzkampf um die beste und einzig wahre Weltanschauung befreit.
Utopienfreudig schließe ich mich John Lennon an und singe:

You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Veröffentlicht in:  on Januar 12, 2009 at 7:22 Kommentare (3)
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Kürbisköpfe – Geschichtsstunde bei 5vor12

Es gibt Menschen die Dinge hinterfragen. Und es gibt solche, die alles glauben was sie lesen oder sehen, sei es noch so an den Haaren herbeigezogen. Diese Menschen sind es auch, die argentinischen Mädchen Geld spenden um deren Augenlicht zu retten, oder der freundlichen Frau in der Innenstadt einen Fünfer für ihre im Arm liegende Puppe zustecken. Ich lache nicht schlecht, als ich heute Morgen meinen Briefkasten öffne und mir ein Prospekt zum Thema Halloween in die Hände fällt.
Ein „Extra-Blatt“ mit Hintergrundinformationen über Halloween mitsamt kinderfreundlichem Comic. Doch schon beim näheren Hinsehen entpuppt sich das bunte Stück Papier als christliche Agitation, deren Ziel nicht etwa Aufklärung sondern unverschämte Missionierung ist. Die Christenheit und ihre geistigen Führer sehen sich offenbar dazu genötigt, die Menschen vor der enormen Gefahr zu warnen, die von diesem konsumbelasteten Feierspektakel am 31. Oktober ausgeht. Dass sie dabei historische Fakten übergehen und in Teilen sich selbst widersprechen, scheint aber niemanden zu stören.
Der im Prospekt enthaltene Comic ist da am deutlichsten, schließlich versteht die Zielgruppe unmündiger Kinder keine Anspielungen und muss die Weisheit mit Löffeln fressen. Das „Halloween-Fest“ wird hier als Überbleibsel heidnischer Riten beschrieben, ein Vorwurf, welcher sich jeglichen historischen Anspruches entbehrt. Tatsächlich konnten Altertumsforscher bisher keinerlei Verbindungen des heutigen Halloweens zu dem so genannten „Samhain-Festes“ herstellen, ja selbst die die Anbetung des ach so finsteren Totengottes Samhain ist an keiner archäologischen Quelle zu belegen.
Dies gilt auch für die tausenden Opferungen, die von den Druiden angeblich durchgeführt wurden, um die Geister der Ahnen zu besänftigen. Nachweißlich basieren keine dieser Behauptungen auf historischen Quellen oder Funden und sind somit völlig uninteressant für aufgeklärte Menschen, die die Fesseln einer absolutistischen Allmacht von sich abgeworfen haben.
Warum sich moderne Christen solcher unlauteren Mittel bedienen, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, womöglich liegt es aber einfach an der Volksverblödung, die in unsere Köpfe Einzug hält und nicht einmal vor so manchem Anhängern der Kirche halt macht. Ein weiteres Indiz dafür wäre die Tatsache, dass selbst die Tageszeitungen diese Unwahrheiten aufgreifen, um in diesen Tagen an eine Schlagzeile zu gelangen.
Sagt euch also „Keep Cool“, wenn die Kürbisköpfe lachen und euch kleine Kinder nach Süßigkeiten fragen, und werft sie nicht in den Kinderlimbus (ach nein, den gibt es ja gar nicht mehr).

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Herbst, egal ob Christ, Ketzer oder Journalist

Veröffentlicht in:  on Oktober 30, 2008 at 8:29 Kommentare (3)
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Moloch Europa

Fortschritt ist wichtig. Dieser Annahme werden die meisten Menschen auf unserem kleinen, blauen Planeten zustimmen. Schließlich assoziieren weite Teile unserer Gesellschaft mit Fortschritt lebenswichtige Entwicklungen. Was wären wir auch ohne die Möglichkeit, Pfannen mit Raumfahrttechnologie zu beschichten, damit unser Frühstücksei nicht mehr anbrennt.
Doch müssen wir dieses Wissen mit aller Gewalt in ferne Länder tragen?
Im Laufe der Evolution scheint der europäische homo sapiens weite Teile seiner Empathie zugunsten eines gewaltigen Expansionsverlangens aufgegeben zu haben.
Vor der Eroberung Kolumbiens durch die Spanier, war das Land von sesshaften Stämmen der Ureinwohner bevölkert. Sie lebten von der Landwirtschaft und bauten in Bergwerken Salz und Smaragde ab. Bemerkenswert waren jedoch ihre hoch entwickelten Handwerksfähigkeiten, wie zum Beispiel das des Goldschmiedens.
Gründe und Legitimationen waren auf europäischer Seite schnell gefunden, schließlich galt der Fortschritt als oberstes Ziel, eine ungeheure Verpflichtung die auf den Schultern der jungen Pioniere lag. Mit eisernem Willen zur Kolonisation drang man in das fremde, unterentwickelte Land ein, plünderte dessen Bodenschätze und versklavte die Bevölkerung. Doch nicht einmal das genügte dem gierigen Kolonialmoloch Europa.
Kaum war das versklavte Volk verschlissen, die billigen Arbeitskräfte getötet, brachten die Spanier Sklaven aus Afrika in das Land, um es weiter seiner Schätze zu berauben und auch das letzte Quäntchen Nutzen aus dem Boden zu ziehen.
Politische Gewaltausübung wurde zur Gewohnheit und noch heute, Jahrhunderte später, nach Unabhängigkeitserklärung und zahllosen Bürgerkriegen, ist Kolumbien ein Land der Zerrissenheit, gespalten von Staatsgewalt und der Macht zwielichtiger Drogenkartelle.
War es der Fortschritt, der diesem Land den Ruin, den Europäer, brachte?
Letzten Endes können wir wohl froh sein, dass unsere Erde lediglich eine Oberfläche von 510 Millionen km² besitzt, von denen gerade einmal 29% Landfläche einnehmen. Gäbe es mehr, würden die Europäer wohl noch heute mit Kriegsschiffen und Flugzeugen nach neuen Ländern und Kontinenten suchen, an denen sie ihre Expansionsgier nach Fortschritt stillen können.

Veröffentlicht in:  on September 26, 2008 at 6:33 Kommentar schreiben
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