Es gibt Menschen die Dinge hinterfragen. Und es gibt solche, die alles glauben was sie lesen oder sehen, sei es noch so an den Haaren herbeigezogen. Diese Menschen sind es auch, die argentinischen Mädchen Geld spenden um deren Augenlicht zu retten, oder der freundlichen Frau in der Innenstadt einen Fünfer für ihre im Arm liegende Puppe zustecken. Ich lache nicht schlecht, als ich heute Morgen meinen Briefkasten öffne und mir ein Prospekt zum Thema Halloween in die Hände fällt.
Ein „Extra-Blatt“ mit Hintergrundinformationen über Halloween mitsamt kinderfreundlichem Comic. Doch schon beim näheren Hinsehen entpuppt sich das bunte Stück Papier als christliche Agitation, deren Ziel nicht etwa Aufklärung sondern unverschämte Missionierung ist. Die Christenheit und ihre geistigen Führer sehen sich offenbar dazu genötigt, die Menschen vor der enormen Gefahr zu warnen, die von diesem konsumbelasteten Feierspektakel am 31. Oktober ausgeht. Dass sie dabei historische Fakten übergehen und in Teilen sich selbst widersprechen, scheint aber niemanden zu stören.
Der im Prospekt enthaltene Comic ist da am deutlichsten, schließlich versteht die Zielgruppe unmündiger Kinder keine Anspielungen und muss die Weisheit mit Löffeln fressen. Das „Halloween-Fest“ wird hier als Überbleibsel heidnischer Riten beschrieben, ein Vorwurf, welcher sich jeglichen historischen Anspruches entbehrt. Tatsächlich konnten Altertumsforscher bisher keinerlei Verbindungen des heutigen Halloweens zu dem so genannten „Samhain-Festes“ herstellen, ja selbst die die Anbetung des ach so finsteren Totengottes Samhain ist an keiner archäologischen Quelle zu belegen.
Dies gilt auch für die tausenden Opferungen, die von den Druiden angeblich durchgeführt wurden, um die Geister der Ahnen zu besänftigen. Nachweißlich basieren keine dieser Behauptungen auf historischen Quellen oder Funden und sind somit völlig uninteressant für aufgeklärte Menschen, die die Fesseln einer absolutistischen Allmacht von sich abgeworfen haben.
Warum sich moderne Christen solcher unlauteren Mittel bedienen, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, womöglich liegt es aber einfach an der Volksverblödung, die in unsere Köpfe Einzug hält und nicht einmal vor so manchem Anhängern der Kirche halt macht. Ein weiteres Indiz dafür wäre die Tatsache, dass selbst die Tageszeitungen diese Unwahrheiten aufgreifen, um in diesen Tagen an eine Schlagzeile zu gelangen.
Sagt euch also “Keep Cool”, wenn die Kürbisköpfe lachen und euch kleine Kinder nach Süßigkeiten fragen, und werft sie nicht in den Kinderlimbus (ach nein, den gibt es ja gar nicht mehr).
In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Herbst, egal ob Christ, Ketzer oder Journalist