Fortschritt ist wichtig. Dieser Annahme werden die meisten Menschen auf unserem kleinen, blauen Planeten zustimmen. Schließlich assoziieren weite Teile unserer Gesellschaft mit Fortschritt lebenswichtige Entwicklungen. Was wären wir auch ohne die Möglichkeit, Pfannen mit Raumfahrttechnologie zu beschichten, damit unser Frühstücksei nicht mehr anbrennt.
Doch müssen wir dieses Wissen mit aller Gewalt in ferne Länder tragen?
Im Laufe der Evolution scheint der europäische homo sapiens weite Teile seiner Empathie zugunsten eines gewaltigen Expansionsverlangens aufgegeben zu haben.
Vor der Eroberung Kolumbiens durch die Spanier, war das Land von sesshaften Stämmen der Ureinwohner bevölkert. Sie lebten von der Landwirtschaft und bauten in Bergwerken Salz und Smaragde ab. Bemerkenswert waren jedoch ihre hoch entwickelten Handwerksfähigkeiten, wie zum Beispiel das des Goldschmiedens.
Gründe und Legitimationen waren auf europäischer Seite schnell gefunden, schließlich galt der Fortschritt als oberstes Ziel, eine ungeheure Verpflichtung die auf den Schultern der jungen Pioniere lag. Mit eisernem Willen zur Kolonisation drang man in das fremde, unterentwickelte Land ein, plünderte dessen Bodenschätze und versklavte die Bevölkerung. Doch nicht einmal das genügte dem gierigen Kolonialmoloch Europa.
Kaum war das versklavte Volk verschlissen, die billigen Arbeitskräfte getötet, brachten die Spanier Sklaven aus Afrika in das Land, um es weiter seiner Schätze zu berauben und auch das letzte Quäntchen Nutzen aus dem Boden zu ziehen.
Politische Gewaltausübung wurde zur Gewohnheit und noch heute, Jahrhunderte später, nach Unabhängigkeitserklärung und zahllosen Bürgerkriegen, ist Kolumbien ein Land der Zerrissenheit, gespalten von Staatsgewalt und der Macht zwielichtiger Drogenkartelle.
War es der Fortschritt, der diesem Land den Ruin, den Europäer, brachte?
Letzten Endes können wir wohl froh sein, dass unsere Erde lediglich eine Oberfläche von 510 Millionen km² besitzt, von denen gerade einmal 29% Landfläche einnehmen. Gäbe es mehr, würden die Europäer wohl noch heute mit Kriegsschiffen und Flugzeugen nach neuen Ländern und Kontinenten suchen, an denen sie ihre Expansionsgier nach Fortschritt stillen können.