Menschen am Abgrund VI – Kampf

Ich wünsche euch einen guten Abend, meine Leser. Heute gibt es einen neuen Abgrund, der in gewisser Maßen schon ein wenig aktuell ist, wenn man mal öfters in die Zeitung schaut.
Wünsche angenehme Nächte…

Stolz betrachtet er die Wunden an seinen Unterarmen.
Für ihn waren es Abzeichen, fleischliche Orden, welche er sich im Kampf gegen das System, die Allgemeinheit, die Menschen verdient hatte. Sie in seine weiße Haut zu schneiden, war ein Ausdruck seiner unerwarteten Überlegenheit gegenüber dem Rest der kläglichen Welt.
Mochten sie für Außenstehende wie der Ausdruck psychischer Instabilität wirken, so waren sie für ihn ein Zeichen, dass es neben der Ungerechtigkeit seines Lebens auch Zeiten gab, in denen sich Dinge zum Guten neigen konnten.
So ein Moment war nun gekommen.
All die bisherigen Fehler, falschen Freunde und tränenerfüllte Tage hatte er hinter sich gelassen. Der Hass, welchen er auf seine Umwelt empfand, war süß und er genoss einen weiteren Augenblick seiner scheinbaren Omnipotenz.
Sie alle hielten ihn für minderwertig, selbst sein erbärmlicher Vater, der den Kater bereits morgens mit Hochprozentigem bekämpfte.
Er brachte sich eine letzte Wunde bei, bohrte das Küchenmesser tief in sein Fleisch. Mit Tränen in den Augen ließ er das Messer fallen, sein Kopf sackte nach vorn und stieß gegen die Holztür.
„Herein?!“ erklang es fragend von der anderen Seite.
Er lachte, griff zitternd nach der Waffe zu seinen Füßen und riss die Tür auf.
Ein letztes Mal sah er das erstaunte Gesicht des Lehrers, die überraschten Mienen seiner Mitschüler. Dann dröhnte der Abzug der Waffe in seinen Ohren, übertönte das Wimmern der Verängstigten.
Und zum ersten und letzten Mal, freute er sich ihre Gesichter zu sehen.

Veröffentlicht in:  on November 27, 2007 at 7:41 Kommentare (1)

Lesen an ungewöhnlichen Orten

Heute fand zum vierten Mal der bundesweite Vorlesetag statt, der den jährlichen Höhepunkt der Initiative „Wir lesen vor“ bildet. Diese wurde von DIE ZEIT und der Stiftung Lesen ins Leben gerufen.
Unter dem Motto „Das hätten sie wohl nicht gedacht – Lesen an ungewöhnlichen Orten“ veranstaltete das Johanneum Gymnasium eine Vorleseaktion in Herborn. In kleinen Gruppen hielten wir von 15.00 bis 16.00 Uhr Lesungen an verschiedenen öffentlichen Orten.
Zusammen mit einem Schulkameraden unterhielt ich die Besucher des Marktcafés mit ausgewählten Texten von Wondratschek, Forte, Heinz Erhardt und anderen Autoren.
War es zu Beginn noch ein wenig schleppend, so fanden wir doch nach und nach mehr Zuhörer und Interessierte.
Es war ein sehr schöner Nachmittag und ich freue mich schon auf nächstes Jahr.

Veröffentlicht in:  on November 23, 2007 at 7:33 Kommentar schreiben
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Und kein Ende ist in Sicht…

„…Am Ende sah ich neue Wege,
das Ziel war eine Illusion.
Sitze nun weiter auf dem Stege,
bin gänzlich frei von Aversion…“

Diese Verse gehen mir gerade durch den Kopf.
Leider finde ich im Moment nur wenige Gelegenheiten, konsequent an längeren Texten zu arbeiten oder mich mit gebürendem Respekt an „Lykantrophie“ heranzuwagen.
In den letzten Tagen habe ich zwei Gedichte geschrieben, eines davon an einen Wettbewerb geschickt, sowie eine Kurzgeschichte verfasst, die ich bei einer Ausschreibung einreichen werden.
Die kommenden Klausuren fordern jedoch ebenfalls meine Aufmerksamkeit, weshalb ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Freizeit in das unliebsame „büffeln“ investieren muss.
Nebenbei recherchiere ich für „Machina – Der Sohn des Mechanikers“.
Die Vorbereitungen für die „Kreatives Schreiben“-AG verschlingen die restlichen freien Minuten (zwischen den Unterichtsstunden).

Aus gegebenem Anlass möchte ich auf die Aktion „Lesen an ungewöhnlichen Orten“ hinweißen, welche am Freitag, den 23. November von 15.00 bis 16.00 Uhr an verschiedenen Orten in Herborn stattfinden wird. Mich wird man im Marktcafe antreffen können.

Liebe Grüße an alle meine Leser…

Veröffentlicht in:  on November 20, 2007 at 7:19 Kommentar schreiben

Das Ende

Hallo ihr lieben Leser,
heute möchte ich euch ein kleines Experiment vorstellen. Ich habe versucht, ein reimloses Gedicht zu schreiben. Normalerweise bin ich ja eher der Typ von Metrum und Rythmus, aber ich wollte mal etwas anderes austesten. Über Anregungen und Kritik wäre ich sehr dankbar.

Glaubtest du im Ernst,
dass mich die fallenden Blätter zurückhalten würden?
Dass jeder einzelne Baum,
den du mit deinen Maschinen gefällt
und zerstückelt hast,
mir Wunden zugefügt hätte?
Nun stehe ich hier, es ist Herbst.
Nicht deine Taten sind der Grund meines Erscheinens.

Du dachtest wirklich,
dass es hinter all dem eine Wahrheit gäbe,
die dir, wenn du ihrer mächtig wirst,
ein besseres Leben prophezeien würde.

Sieh auf die Welt hinunter,
in der einst Amseln in Ahornwipfeln nisteten
und Rehe aus Bächen tranken.
Nun sind selbst die Ratten geflohen,
denn der Abfall, den du hinterlässt
macht das Wasser ungenießbar
und verwelkt das Gras.

Du dachtest wirklich,
dass du die Dinge spalten musstest
um ihr Inneres zu verstehen.

Aber hat dir nicht jede Antwort,
jede Wahrheit, die du fallenden Körpern
und schwimmendem Holz entlockt hast,
neue Fragen geliefert?

Auf dem Grund der Dinge gibt es keine Erlösung.
Schau auf die Straßen,
dort, zwischen den Steinen,
gedeihen meine Krieger.
Noch sind sie jung,
aber erzählte nicht selbst deine Religion,
dass Senfkörner zu Gewaltigem heranwachsen.

Deine Zeit ist bald gekommen,
noch hälst du dich verzweifelt fest,
doch die Vorherrschaft
hast du schon lange abgetreten.

Im Ignorieren warst du schon immer gut.
Nun ernte die Erzeugnisse dessen,
was du einst gesät.

Veröffentlicht in:  on November 6, 2007 at 4:57 Kommentar schreiben