Menschen am Abgrund V – Glanz

Heute präsentiere ich euch einen neuen Abgrund. Jedoch verweise ich noch einmal ausdrücklich auf den Hintergrund der Abgründe. Ich will hier weder jemanden zu ihrgendwelchen Straftaten verleiten, noch diese verherrlichen.
Ansonsten bleibt mir nur noch, euch Spass beim Lesen zu wünschen.

Sie glich der Liebesgöttin Aphrodite selbst, doch auch die erschien mir im Vergleich zu ihr lediglich durchschnittlich.
Ihre goldenen Locken wogten im kühlen Herbstwind und rahmten die makellose Haut ihres Gesichtes ein. Welcher Maler hätte sich nicht um ein solches Model gerissen? Nichts, nicht einmal die kleinste Unebenheit der Haut oder etwa eine Unförmigkeit der Nase vermochten dieses Antlitz vollendeter Schönheit zu beeinträchtigen.
Sie trug ein hellblaues Kleid, dessen weiße Schleifen und Bordüren an die Zeit des Rokoko angelehnt waren. Zweifelsohne hatte sie Stil, ganz gleich, wer sie eingekleidet hatte.
Ihre Bewegungen waren flink und doch geschmeidig; ihr Lachen war das einer Nymphe, wenn sie sich die Zeit mit ihren Gespielinnen vertrieb.
Ihre Umgebung bewunderte sie dafür.
Ich bewunderte sie, auch wenn es mir bisher nie eingefallen war, sie anzusprechen.
Sie wusste um meine Anwesenheit, dafür hatte ich gesorgt.
Und dann und wann, wenn unsere Blicke sich trafen – meiner und ihrer voller Sehnsucht – festige sich in mir der Entschluss.
Sie musste dasselbe empfinden, ihr Begehren musste das meinige sein. Warum sonst forderte sie mich manches Mal aus weiter Entfernung mit ihrer Stimme heraus und neckte mich mit einem Augenschlag.
Mittlerweile wusste ich, wann sie kam. Ich wusste, wie lang sie blieb und ich wusste auch wer sie zurückgeleitete.
Alles war geplant. Bis ins kleinste Detail hatte ich mein Vorhaben ausgearbeitet: Ich wusste, wann ich mich ihr nähern durfte, mit welchen Worten ich ihr Vertrauen gewinnen und sie zum mitgehen bewegen konnte.
Sie mochte so gerne Lakritz.
Ich warf einen letzten Blick durch das Fernglas. Gerade hatte ihre Mutter den Spielplatz verlassen, um der Kleinen ein Eis zu kaufen – das tat sie jeden Mittwoch.
Als sie hinter einer Hausecke verschwunden war, öffnete ich langsam die Tür meines Wagens. Ein letztes Mal atmete ich tief durch, stieg dann aus und schlenderte auf die Schaukel zu.

 

 

Veröffentlicht in: on Oktober 29, 2007 at 7:25 Kommentare (1)

Tartaros

Vor einigen Tagen hatte ich die Idee, ein Gedicht über den Tartaros zu schreiben; jenen Ort der griechischen Mythologie, an dem die schlimmsten Verbrecher ewige Qualen erleiden mussten. Seht hier nun die erste Fassung:

Oh Tartaros, du dunkler Ort
welch Qualen ewig in dir ruhn:
Wohl Ixion am Feuerrad,
bestraft für Frevel, schlechtes Tun!

Muss Oknos, voller Reu und Scham,
aus Binsensträngen Seile flechten;
die Mühsal ohne Unterlass,
Erlösung fanden nur die Rechten!

Tityos voll Gewalt und Zorn,
die Leber ist ihm frisch entrissen,
liegt in den Armen Elaras.
Dieser Ort wird ihn nie missen.

Danaiden träg die Fäßer füllen,
den Gatten galt der Dolchesstoß.
So schöpfen sie das Wasser nun,
doch ist auch dieses hoffungslos.

Und Tantalos ergrauter Blick
gedenkt des Sohnes, seiner Tat.
Wasser weicht vor ihm zurück;
ragt über ihm ein Felsengrat.

Sie alle sind nie wieder frei.
Trotz Sühne oder Reue.
Rollt Sisyphos auch seinen Stein,
jeden Tag aufs Neue.

Veröffentlicht in: on Oktober 24, 2007 at 9:57 Kommentare (2)

Der Brief

Diese Kurzgeschichte entstand während einer Geschichtsstunde im 10. Schuljahr. Es war unsere Aufgabe, einen Brief zu verfassen, den ein Jude zur NS-Zeit an einen Bekannten geschickt haben könnte.
Wie immer freue ich mich über Kritik.

Matan warf einen letzten Blick zur Straße, dann schob er sich durch den schmalen Spalt zwischen Rahmen und Tür. Langsam und darauf bedacht so leise wie möglich zu sein, schloss er sie hinter sich. Er wagte es nicht seiner Erleichterung durch ein Seufzen Ausdruck zu verleihen. Manchmal war es besser zu schweigen.
Es erschien ihm wie ein Wunder, dass er heute noch nicht mit den Männern der NSDAP aneinander geraten war und er wollte sein Glück nicht herausfordern.
Schweren Herzens schritt er durch das Zimmer. Das Leinenhemd klebte an seinem verschwitzen Oberkörper. Es war von dutzenden Flicken besetzt und einzig der Judenstern, welcher wie ein Leuchtfeuer auf Matans Brust erstrahlte, störte dieses Bild der Armut.
Er erlaubte es sich schwer auszuatmen und sank auf die schmutzigen Laken seines Bettes. Einen Moment lang verharrte er in dieser Lage und genoss die beruhigende Stille die ihn umgab. Dann holte er unter seinem Kissen einige zerknitterte Bögen Papier hervor. Er griff in seine Hosentasche und förderte die nahezu aufgebrauchten Überreste seines Bleistiftes zu Tage.
Matan warf noch einen letzten Blick aus dem Fenster, dann begann er zu schreiben.

Lieber Gerhardt,
ich hoffe, dass dich dieser Brief trotz der Überwachung des Postamtes erreicht.
Wie geht es dir? Ich hoffe gut, bist du doch nicht so stark von den Ereignissen der letzten Jahre betroffen wie wir.
Anfangs lief alles noch gut; was machte es mir schon aus, Israel mit Vornamen zu heißen. Aber dabei allein ist es nicht lange geblieben. Damals sagten sie, uns stände es frei, Deutschland zu verlassen. Doch unsere Familie hoffte drauf, dass es sich bessern würde, und wir blieben hier. Wohin hätten wir auch gehen sollen, ist dies doch unsere Heimat.
Jetzt darf ich mich nirgends mehr blicken lassen. Man lässt mich nicht mehr ins Kino oder auf ein Konzert. Wenn ich in meinem Viertel unterwegs bin, – und das ist nicht gerade oft – muss ich aufpassen, nicht auf die Jungen der HJ zu treffen. So etwas endet meistens in einer Schlägerei. Und wer Schuld ist, steht von vorne herein fest. Ich natürlich, der Jude.
Meine Mutter redet nicht mehr viel, seit sie Vater festgenommen haben. Sie hat wohl Angst, dass die Staatsmänner ihre Drohung wahr machen, und auch sie und mich holen kommen.
Sie sitzt den ganzen Tag am Küchentisch, doch das Leuchten in ihren Augen ist dem des Davidsternes gewichen, der im Gegensatz zu dem Rest ihrer Kleidung nicht alt und verschmutzt ist.
Sie redet auch nicht mehr mit den anderen Juden aus unserem Viertel. Ich hingegen schon.
Die meiste Zeit verbringe ich bei unseren jüdischen Nachbarn, die bis vor kurzem noch ein Geschäft hatten, welches nun aber geschlossen wurde.
Ich würde all dem hier gerne ein Ende bereiten, doch es hält mich zuviel an diesem Ort, als dass ich ihn ohne weiteres verlassen könnte.
Du siehst, es ist nicht gerade toll hier, aber ich hoffe immer noch, dass es sich bessern wird.
Bis dahin, alles Gute

Dein Matan

Das Splittern von Glas ließ ihn aufschauen. Scherben bedeckten den Boden unter dem Fenster. Matan stand auf und wusste bereits, wen er auf der Straße erblicken würde.
„Hey Jude!“ drang es zu ihm herein, „Komm heraus und spiel mit uns!“
Dort standen sie: Sechs kräftigt gebaute Jungen, deren beigefarbene Uniformen das Hakenkreuz zierte. Sie hielten Stöcke und Flaschen in ihren Händen.
Matan seufzte resigniert. Er faltete den Brief zusammen, steckte ihn in seine Hosentasche und öffnete die Tür. Höhnischen Lachen klang ihm entgegen. „Na los! Komm schon!“
Sie drängten ihn förmlich aus dem Haus. Matan verließ die Wohnung und ging auf die Kinder zu. Ein erster Stein flog auf ihn zu und traf ihn am Bauch, doch er ließ sich nichts anmerken. Wenn er eines in diesen Straßen gelernt hatte, dann, dass man nie Schwäche zeigen durfte. Wahrscheinlich würden sie ihn heute weitestgehend verschonen. Sie würden ihn vielleicht verletzten und demütigen, aber weiter würden sie es nicht treiben. Zu mehr trauten sie sich nicht.
Zumindest noch nicht.
Die Jungen würden sich an ihm austoben und dann, wenn er mit blutenden Lippen auf dem Boden liegen und sie lachend davonrannten, dann würde er mit einem leichten Stöhnen aufstehen und den Brief zum Postamt bringen.
Und vielleicht würde er erneut über Flucht nachdenken…

Veröffentlicht in: on Oktober 18, 2007 at 12:02 Kommentare (1)

Neues von Lykanthropie

Hallo ihr lieben Leser,

ich habe es mir erlaubt den Projektbereich ein wenig auszuweiten und nun gibt es eine extra Sparte für „Lykanthropie“.
Dort findet man nun eine Art“Klappentext“, der hoffentlich Lust auf mehr macht, sowie eine kleine Hörprobe des ersten Kapitels.

Weiteres wird folgen…

Veröffentlicht in: on Oktober 16, 2007 at 5:41 Kommentare (1)

Arbeit an Lykanthropie wieder aufgenommen

Heute habe ich die Arbeit an Lykanthropie wieder aufgenommen, die kreative Pause ist vorbei.
Bislang besteht das Manuskript aus 165 Normseiten, welche in etwa 2/3 der gesamten Storyverlaufes beinhalten. Die entgültige Fassung wird vorrausichtlich 240 Normseiten enhalten.
Eine kurze Lesenprobe, sowie eine neuere Inhaltsangabe unter „Projekte“ folgen demnächst.
Testleser der erster Versionen können sich auf überarbeitete Szenen und ein komplett neues,  zweites Kapitel freuen.

Veröffentlicht in: on Oktober 8, 2007 at 4:22 Kommentar schreiben