Heute präsentiere ich euch einen neuen Abgrund. Jedoch verweise ich noch einmal ausdrücklich auf den Hintergrund der Abgründe. Ich will hier weder jemanden zu ihrgendwelchen Straftaten verleiten, noch diese verherrlichen.
Ansonsten bleibt mir nur noch, euch Spass beim Lesen zu wünschen.
Sie glich der Liebesgöttin Aphrodite selbst, doch auch die erschien mir im Vergleich zu ihr lediglich durchschnittlich.
Ihre goldenen Locken wogten im kühlen Herbstwind und rahmten die makellose Haut ihres Gesichtes ein. Welcher Maler hätte sich nicht um ein solches Model gerissen? Nichts, nicht einmal die kleinste Unebenheit der Haut oder etwa eine Unförmigkeit der Nase vermochten dieses Antlitz vollendeter Schönheit zu beeinträchtigen.
Sie trug ein hellblaues Kleid, dessen weiße Schleifen und Bordüren an die Zeit des Rokoko angelehnt waren. Zweifelsohne hatte sie Stil, ganz gleich, wer sie eingekleidet hatte.
Ihre Bewegungen waren flink und doch geschmeidig; ihr Lachen war das einer Nymphe, wenn sie sich die Zeit mit ihren Gespielinnen vertrieb.
Ihre Umgebung bewunderte sie dafür.
Ich bewunderte sie, auch wenn es mir bisher nie eingefallen war, sie anzusprechen.
Sie wusste um meine Anwesenheit, dafür hatte ich gesorgt.
Und dann und wann, wenn unsere Blicke sich trafen – meiner und ihrer voller Sehnsucht – festige sich in mir der Entschluss.
Sie musste dasselbe empfinden, ihr Begehren musste das meinige sein. Warum sonst forderte sie mich manches Mal aus weiter Entfernung mit ihrer Stimme heraus und neckte mich mit einem Augenschlag.
Mittlerweile wusste ich, wann sie kam. Ich wusste, wie lang sie blieb und ich wusste auch wer sie zurückgeleitete.
Alles war geplant. Bis ins kleinste Detail hatte ich mein Vorhaben ausgearbeitet: Ich wusste, wann ich mich ihr nähern durfte, mit welchen Worten ich ihr Vertrauen gewinnen und sie zum mitgehen bewegen konnte.
Sie mochte so gerne Lakritz.
Ich warf einen letzten Blick durch das Fernglas. Gerade hatte ihre Mutter den Spielplatz verlassen, um der Kleinen ein Eis zu kaufen – das tat sie jeden Mittwoch.
Als sie hinter einer Hausecke verschwunden war, öffnete ich langsam die Tür meines Wagens. Ein letztes Mal atmete ich tief durch, stieg dann aus und schlenderte auf die Schaukel zu.