Überfahrt

Meine heutige Internetrecherche inspirierte mich zu folgendem Gedicht. Es ist frisch meiner Feder entsprungen und wird nun erstmal einige Zeit so stehen bleiben, ehe ich mich mit kritischem Blick seiner Überarbeitungen annehme.
Ich hoffe, es gefällt…

Verhüllt in graue Nebelschwaden,
treibt ein Kahn den Fluss entlang.
Um ihn kreisen still die Raben,
lauschen leise dem Gesang.

Blätter rascheln, Winde wehn‘.
Dieser dunkle, schwarze Hain,
hat es wohl schon oft gesehn,
wie er treibt des Nachts allein.

An den Ufern hocken flüsternd
stumm Gestalten dunkler Art.
Gierig nach dem Leben lüsternd
bei des Menschen Todesfahrt.

Der Ferge hebt das Augenlid,
sein Antlitz grau und ungestalt
die Schatten in der Ferne sieht,
wie Schergen einer Urgewalt.

Najadenklänge weichen leise
die Stake findet keinen Grund,
mit den Toten auf der Reise
losgelöst vom Lebensbund.

Die Seel, sie beugt sich aus der Fähr’,
den Mund gefüllt mit hellem Gold,
verlangt der Greise nun nicht mehr,
ein einzig Stück war ihm sein Sold.

Träg’ erreicht der Kahn die Kluft.
Den Weg, den man nur einmal geht,
der toten Leiber ew’ge Gruft,
zugrunde geht was einst gelebt.

Veröffentlicht in: on September 30, 2007 at 4:35 Kommentare (1)

Tribut des Meeres

Das nachfolgende Gedicht entstand im Winter 2006 und verbindet die zerstörende, unbändige Seite des nassen Elements mit mythologischer Fiction.

Die Wellen schlagen gegen den Mast,
das Schiff erzittert; unter der Last
der schweren, brechenden Flut,
erstickt sie Hoffnung, doch nicht den Mut.

Ein Fischer, er schaut, bang sein Gesicht.
Sieht die Strömung, wild schäumende Gischt,
betet zum Himmel, mit erhobener Hand.
„Geleitet mich sicher zum östlichen Strand!“

Doch Neptun, er schuldet ihm keinen Gefallen,
und während die Wellen wild heranprallen,
kentert der Kahn, die Fracht fällt von Bord,
und reißt den schreienden Fischer mit fort.

Sein lebloser Körper, er schleudert umher,
erdrückt im Nassen, wird er nun schwer.
Das Wasser, es saugt sich in Hirn und Gebein,
doch noch will nicht enden des Fischers Pein.

Die Glieder schlagen an Ecken und Kanten,
Quallen, die seine Haut verbrannten,
weichen zurück, ganz aus Instinkt.
Während der Fischer noch tiefer sinkt.

Der Herr der Meere holt sich den Tribut.
Auge um Auge, Blut für Blut,
reißt er den Körper des Fischers mit fort,
nur dessen Seele bleibt noch vor Ort.

Die heult in der Flut, klagt in der Nacht,
erzittert stets vor des Wassers Macht,
gegeißelt am Felsen, als untot geweiht,
siecht sie dahin, bis zum Ende der Zeit.

Veröffentlicht in: on September 27, 2007 at 5:03 Kommentare (2)

Menschen am Abgrund II – Der Feind

Wütend und gleichsam entsetzt starrte ich in das Gesicht. Nicht, dass ich dort keine menschlichen Züge erkannt hätte, doch die Fratze vor mir glich mehr dem erzürnten Antlitz eines wütenden Wilden als dem eines gesitteten Zivilisten. Seine Mimik war auf eine Abscheu erregende Art verzerrt, die linke Oberlippe zuckte leicht.
„Lügner!“ fuhr ich ihn an „Hör auf mir weiter deine Märchen aufzutischen!“
Mein Gegenüber wiederholte die Worte in einem spöttischen Ton. Er forderte mich heraus, wollte nur, dass ich zuschlug um so meine mangelnde Selbstdisziplin zu offenbaren. Er wollte
mich als den Schuldigen darstellen, wollte dass ich den Sündenbock für all die Taten spielte, die er zu verantworten hatte.
„Du hast mich zum letzten Mal benutzt. An dieser Stelle endet unsere Abmachung!“
Seine Reaktion darauf war ein Lachen. Buchstabe für Buchstabe wiederholte er meine Worte, und betone sie mit einem solchen Nachdruck, dass es mir schwer fiel die Beherrschung zu behalten. Auf diese Weise hatte er mich bisher immer aus der Reserve gelockt. Am Ende war ich immer der Verlierer gewesen und er hatte weiter gemacht.
„Diesmal nicht“ knurrte ich ihm entgegen.
„Diesmal nicht?“ Sein boshaftes Grinsen brannte sich in meine Augen. Ich wollte diesen Anblick nicht länger ertragen, ja, konnte es nicht weiter sehen. Er hatte mein Leben zerstört, hatte mir alles genommen. Sollte er sich doch auch den unnützen Rest; das Wrack nehmen, das von mir übrig geblieben war.
Ich schlug zu.
Ein lautes Klirren und sein Gesicht zerbrach in zahllose Scherben. Ein bohrender Schmerz loderte in meiner Hand auf und ich verzog das Gesicht.
Mit Tränen in den Augen wandte ich mich vom zerstörten Spiegel ab.

Veröffentlicht in: on September 26, 2007 at 5:37 Kommentare (2)

Menschen am Abgrund I – Aus Überzeugung

Der Tag meines Todes glich einer Befreiung.
Nach unzähligen Momenten süßer Entrückung in denen ich dem Glanz des Göttlichen nähergekommen war, bildete dieser Augenblick einen Zeitpunkt totaler und ungezwungener Hingabe.
Schmerz, Trauer und Selbstzweifel wurden binnen kürzester Zeit ausgelöscht mit dem Versprechen, dass keine meiner Taten nutzlos gewesen war. Alles hat einen Sinn, jede Ursache ihre Wirkung.
Stolz erfüllte mich während jenem letzten Atemzug.
Stärke war es, die meine Hand führte; Resultat jahrelanger Hingabe.
Ein Flüstern in den lärmenden Schächten der U-Bahnstationen.
Sehnsucht. Ein Seufzen, Stimmen meiner baldigen Heimat, ewige Glückseligkeit.
Endlich erhellte Licht den Korridor.
Zufrieden lächelte ich einem Passanten zu.
Dann zündete ich die Bombe.

Veröffentlicht in: on at 5:29 Kommentare (1)

Warum Fünf vor Zwölf?

Warum dieser sonderbare Name für meinen Blog?

Nun, ein Blog für meine gedanklichen Ergüsse war längst fällig! Ich will hier nicht zu ihrgendwelchen Weltrettungsaktionen, gegen Atomkraft oder Umweltverschmutzung aufrufen. Auch brauche ich kein Geld für eine Operation, die ihrgendeinem kleinen Mädchen in Nubien das Augenlicht wiedergeben könnnte… selbst wenn die Uhr für solches sicherlich auch auf Fünf vor Zwölf steht.
Die hier zu lesenden Passagen, seien es nun Lyrische Wortdichtungen oder Prosa, spiegeln einen Teil meines Selbst, meiner Seele, wieder, auch wenn die Fiktion in meinen Texten eine ebenso bedeutende Rolle spielt. (Hiermit will ich klarsstellen, dass ich keinen Selbstmordanschlag plane)
Es ist also lediglich Fünf vor Zwölf diesen Blog in Betrieb zu nehmen, die Feder zu schwingen und die Chancen zu nutzen, die einem die Muse bietet.

Veröffentlicht in: on at 5:15 Kommentar schreiben